Im "Schockraum" der Notaufnahme zählt jede Sekunde

Pressemitteilung /

Unser Traumazentrum ist bei der Diagnostik von Schwerstverletzten doppelt so schnell wie der deutsche Durchschnitt.

Ein Traumazentrum versorgt Schwer- und Schwerstverletzte interdisziplinär. Das Klinikum Saarbrücken ist eins von zwei zertifizierten Überregionalen Traumazentren im Saarland und behandelt Unfallopfer aller Schweregrade. Jetzt wurde das Trauma-Team unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Christof Meyer zum fünften Mal erfolgreich re-zertifiziert. Besonders gelobt wurde in dem Zusammenhang das interkollegiale abteilungsübergreifende Miteinander auf dem Winterberg. Aber auch deutliche Behandlungsvorteile im deutschlandweiten Vergleich: Im Klinikum Saarbrücken konnte durch das in den Schockraum integrierte CT-Gerät die Zeit vom Eintreffen des Patienten bis zur ersten radiologischen Diagnostik halbiert werden. Damit konnte die Versorgung von Unfallopfern im Saarland und in der Region auf hohem Niveau nochmals verbessert werden. Die Saarbrücker Zeitung hat darüber am 17. März 2025 (Seite B1) berichtet.

Wenn in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) auf dem Winterberg der Satz „Ein Schockraum kommt“ fällt, benötigt in vielen Fällen ein schwer- oder schwerstverletztes Unfallopfer die Versorgung im sogenannten Traumazentrum. Ein Fall für den Schockraum können aber auch neurologische oder internistische Patienten sein. Alle wissen im Schockraum genau, was zu tun ist, denn jeder Schritt, jeder Handgriff ist festgelegt.

Ist ein Unfallopfer im Schockraum angekommen, stehen Ärztinnen und Ärzte aus mindestens vier Fachabteilungen bereit, um den Verletzten nach den Kriterien und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und in genau festgelegten Abläufen innerhalb kürzester Zeit mit modernsten Diagnostikverfahren zu betreuen und schnellstmöglich die lebenswichtigen Entscheidungen zur Versorgung zu treffen.

Schwerpunkt: Komplexe Verletzungen der Hand 

Zum Versorgungsauftrag zählen Unfallopfer aller Schweregrade und aller Altersstufen, also auch sogenannte Mehrfachverletzungen (Polytrauma) mit z.B. Schädel-Hirn- und Wirbelsäulenverletzungen sowie BG-Fälle / Arbeitsunfälle. Hierbei stellt die Versorgung von komplexen Verletzungen der Hand einen besonderen Schwerpunkt dar.

Das Klinikum Saarbrücken übernimmt die Behandlung von Schwerstverletzten weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus. Mittels Rettungshubschraubern sowie durch bodengebundene Notarzteinsätze werden Patienten in die ZNA gebracht und versorgt. 

Bundesweit gibt es 684 Traumazentren, rund 100 davon in der höchsten Stufe. Leiter des Traumazentrums im Saarbrücker Winterberg-Klinikum ist der Chefarzt der Unfall- und Handchirurgie, Prof. Dr. Christof Meyer. „Wir versorgen pro Jahr im Schnitt 120 bis 150 schwerstverletzte Unfallopfer“, berichtet Meyer.

Gut ausgebaute Schnittstellen zu Labor, Blutbank und OP

Das Klinikum Saarbrücken hat die höchste Versorgungsstufe als Traumazentrum und wurde Anfang des Jahres bereits zum fünften Mal erfolgreich re-zertifiziert. Die Kriterien zur Zertifizierung werden in einem Drei-Jahres-Intervall regelmäßig von der DGU überprüft.

Die Prüfer hoben insbesondere die sehr gute Infrastruktur sowie die gut ausgebauten Schnittstellen zu Labor, Blutdepot, OP-Abteilung und Intensivstation hervor: „Diese unterstützen das Schockraum-Team und die Polytrauma-Versorgung auf sehr gute Weise.“ Auch die interkollegiale kooperative und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit sowie das hohe Engagement in der Fort- und Weiterbildung wurden besonders gelobt.

„In einem Traumazentrum ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Tat entscheidend“, bestätigt Prof. Dr. Christof Meyer. Die Fachbereiche Unfallchirurgie, Anästhesie und Intensivmedizin, Neurochirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Allgemeinchirurgie arbeiten beim Eintreffen eines Unfallopfers gleichzeitig und eng zusammen, denn oftmals zählt hier jede Sekunde.

Der Großteil der Patienten im Traumazentrum sind Unfallopfer - also Menschen, die bei Unfällen im Verkehr, auf der Arbeit, beim Sport oder im Haushalt schwere und schwerste Verletzungen erleiden.  Dazu kommen aber auch Opfer von Gewaltverbrechen, beispielsweise mit Schuss- und Stichwunden, sowie Schwerstverletzte nach einem Selbstmordversuch.

Zeit bis zum CT wurde halbiert: Schnellere Diagnostik in 13 Minuten

Insbesondere der im Frühjahr 2023 in Betrieb genommene neue Schockraum mit integriertem CT hob die Trauma-Versorgung auf ein neues Level: Die Zeit vom Eintreffen des Verletzten bis zur ersten CT-Aufnahme konnte so innerhalb der vergangenen drei Jahre halbiert werden, im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt ist das Klinikum Saarbrücken nahezu doppelt so schnell: 

Im Durchschnitt dauert es auf dem Winterberg 13 Minuten, bis ein schwerverletzter Patient oder eine schwerverletzte Patientin bildgebende Diagnostik erhält, der Durchschnittswert bei allen deutschen Traumazentren beträgt 26 Minuten  (Quelle: TraumaRegister DGU für das Unfalljahr 2023 der AUC – Akademie der Unfallchirurgie GmbH und des IFOM – Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Seite 15).

Auch bei der Dauer vom Eintreffen in den Schockraum bis zum Start einer meist lebensrettenden Not-OP schneidet das Klinikum Saarbrücken im deutschlandweiten Vergleich deutlich besser ab –58 Minuten dauert dies auf dem Winterberg, deutschlandweit im Durchschnitt 10 Minuten länger.

Traumanetzwerk Saar-(Lor)-Lux-Westpfalz

Das Klinikum Saarbrücken versorgt seit 2010 als zertifiziertes überregionales Traumazentrum Schwer- und Schwerstverletzen. Das Traumanetzwerk Saar-(Lor)-Lux-Westpfalz der Traumanetzwerkinitiative der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) wurde im Jahr 2007 gegründet. Ziel ist es, durch die strukturierte Vernetzung und Zusammenarbeit von Krankenhäusern der Großregion die bestmögliche Schwerverletztenversorgung zu jedem Zeitpunkt unverzüglich in Schwerpunktkliniken und Traumazentren sicher zu stellen.

Die Saarbrücker Zeitung hat am 17. März 2025 (Seite B1) über die Arbeit unseres Traumazentrums berichtet und mit Prof. Dr. Christof Meyer dazu gesprochen. Zum Artikel geht es hier.

Zurück
Der Weg eines Trauma-Patienten führt oft in den OP. Dieses Foto zeigt Chefarzt Prof. Dr. Christof Meyer und ein Teil seines Teams während einer Operation.
Das Foto zeigt den Schockraum des Klinikums, wo Unfallopfer versorgt werden. Im Raum befindet sich ein Computertomograph, mit dem schnell erste Aufnahmen gemacht werden können.
Das in den Schockraum integrierte CT-Gerät kann Leben retten: "Im Durchschnitt wird bei uns schon nach 13 Minuten das CT durchgeführt. Im Bundesschnitt vergehen dafür 26 Minuten", sagt Prof. Dr. Christof Meyer, Ärztlicher Leiter des Traumazentrums und Chefarzt der Unfall- und Handchirurgie.
Der Eingang der Notaufnahme auf dem Winterberg bei Nacht, der Schriftzug über dem Eingang "Notaufnahme" leuchtet.
24/7 stehen die Ärzte- und Pflegeteams im Klinikum Saarbrücken bereit. Im Traumazentrum muss man jederzeit auf alle denkbaren Verletzungen vorbereitet sein.
Der Rettungshubschrauber "Christoph 16" ist auf dem Landeplatz vor dem Klinikum Saarbrücken gelandet und bringt ein Unfallopfer zur Versorgung im Traumazentrum.
Nicht selten kommen die Unfallopfer via Hubschrauber auf den Winterberg. Auf dem Winterberg werden pro Jahr im Schnitt bis zu 150 schwerstverletzte Unfallopfer versorgt.